Alles mit Bananen!

 Um es gleich vorweg zu nennen:
Ich kenne nach über dreissigjähriger Erfahrung als Fahrtenskipper auf vielen Weltmeeren kein wirksameres Naturprodukt gegen Seekrankheit als Bananen!


Allein in Deutschland sollen jährlich mehr als fünf Millionen rezeptfreie Mittel gegen die See- oder Reisekrankheit für eine Umsatz von mehr als 26 Millionen Euro verkauft werden….sie helfen erfolgreich: Der  Pharmaindustrie und den Apotheken!

Da werden u. A. Pflaster mit Scopolamin, Psychopharmaka, Antidepressiven und viel andere Chemie, sogar Chloroform und Opium abgegeben: Hauptsache es geht was über den Ladentisch!

Es sind alles Drogen! Die Einnehmer dämmern an Bord wie unter Narkose dahin, sind für die Mithilfe an Schiffsführung und die Navigation kaum zu gebrauchen … und man weiss nicht, wann die Medikamente wieder abgesetzt werden können!

Manche versuchen es mit Akkupressur-Arm/Fussbändern, Salzbrezeln, warmer Cola, Spezialbrillen mit wackelnden Horizontbalken in den Gläsern, sicher oft mit psychosomatischem Erfolg!
Einbildung ist entscheidend: Den Einheimischen auf den Kapverdischen Inseln wird es sicht- und riechbar schon schlecht, wenn sie die Fähre zur nächsten Insel schon von Weitem im Hafen vertäut sehen! Dann an Bord verbringen sie die Überfahrt mit Sicht in eine grosszügig von der Besatzung verteilte Plastiktüte….oder übergben sich, leider oft in Luv!
„Il mal di mare“ , die Seekrankheit, kann eine höllische Pein sein!

Kalter Schweiss dringt aus den Poren, die Haut verfärbt sich grünlich, Herz und Magen zucken konvulsiv.
Auch Matrosen, Kapitäne und Weltumsegler sind anfällig, nach falscher Ernährung oder Trinksitten, oder sonstwie falschem Verhalten an Bord….oftmals vorher!
Kein Wunder, dass die Menschheit seit Jahrhunderten fast alles probiert hat, um diese Qual zu besiegen:
Die Griechen setzten auf  einen Cocktail aus Wein und Meerwasser, die alten Römer sollen sich in Essig gelöstes Flohkraut unter die Nase geschmiert haben. Spätere Quacksalber sollen auf Eigelb, Schröpfköpfe und  Petersilie gesetzt haben. In England wurde gar ein neuer Berufsstand erfunden: Der königliche Kopfhalter!

Der musste das Haupt des Monarchen auf See stützen und die Schiffsbewegungen ausgleichen. Soll ganz gut funktioniert haben….bis dass der Kopfhalter selber seekrank wurde!
Dann wurden schon im Mittelalter Betäubungsdrogen wie Chloroform, Arsen, Blausäure oder Opium empfohlen….wirkten ganz gut: Die Passagiere dämmerten an Bord unter Narkose dahin!

Die genauen Ursachen der Seekrankheit blieben der aufkommenden Wissenschaft lange ein Rätsel.
Gewisse Turbulenzen, auf See, in der Luft und an Land scheinen den menschlichen Organismus zu überfordern. Schon die optische Wahrnehmung kann auslösend sein,  aber auch Blinde können reisekrank sein, Taubstumme, bei denen das Innenohr beschädigt ist, sind aber immun.
Das Gleichgewichtsorgan im Ohr scheint also von zentraler Bedeutung zu sein! Die Lymphflüssigkeit in den Bogengängen reagiert auf die Bewegungen der Umgebung, ähnlich der Luftblase in einer Wasserwaage. Haarzellen melden dem Gehirn die jeweilige Richtung der Flüssigkeitsströme und geben so Hinweise auf die Bewegung des Körpers im Raum. Gleichzeitig treffen im Hirn aber auch Signale aus dem Sehapparat und Rezepturen aus Muskeln und Gelenken ein. Diese manchmal widersprüchlichen Meldungen können eine Art Kurzschluss verursachen – und der überforderte Organismus reagiert mit Reisekrankheit!
Neben dem „Kurzschluss im Gehirn“ können noch weitere wichtige Faktoren Übelkeit auslösen: Stress und Angst!
Ein Zaubermittel dagegen fanden bisher weder Ärzte noch Pharmaforscher, und auch nicht Naturmediziner, gegen Anfälligkeit weder auf der Erde noch im Weltraum!

Also machen die Apotheker mit der Verzweiflung der Menschen weiterhin gute Geschäfte!

Dabei wäre doch alles ganz einfach!
Einzig Schweine, fand man heraus, die früher als lebender Fleischvorrat an Bord mitgeführt wurden, sind immun gegen Seekrankheit, weil sie das im Gehirn entstehende Histamin mithilfe eines körpereigenen Enzyms abbauen können. Das Hormon wird bei Stress, widersprüchlichen Sinnesmeldungen und bei unkontrollierten Körperbewegungen angehäuft! Schon Vitamin C, das ja bekanntlich die frühere Geissel Skorbut verhinderte, hilft, den Übeltäter zu neutralisieren. Histaminbomben wie Hartkäse, Salami, Spinat oder Tomaten, Dosenthunfisch, Rotwein und Schokolade sollte man meiden!
Wissenschaftliche Untersuchungen bei 182 Teilnehmern an einer Rund-um-die-Welt-Segelregatta und unter 20`000 Passagieren von Kanalfähren haben ergeben, dass etwa 6 Prozent der Reisenden, die keine Medikamente eingenommen hatten, seekrank wurden, bei den mit Medikamenten (Drogen!) Behandelten aber mehr als 12 Prozent über Übelkeit klagten.

Man kann also getrost auf harmlosere, natürliche und kostengünstigere Mittel zurückgreifen!
Auf Bananen!

Bananen werden in Amerika, Afrika (Kapverden), Asien und Ozeanien angebaut.
Weltweit existieren schätzungsweise 80-100 Sorten. Neben der uns bekannten süssen Obstbanane, die nur ca. 12% der gesamten Ernte ausmacht wird die viel bedeutendere grüne Koch- oder Gemüsebanane angebaut.
Daneben sind noch Babybanane, Apfelbanane und rote Banane genussfähige Sorten.
Bananen enthalten sehr wenig Fett, aber kurz- und langkettige Kohlenhydrate und decken den sofortigen Energiebedarf und einen anhaltenden Vorrat an Energie. Sie sättigen, ohne den Körper zu belasten und sind leicht verdaulich!
Ihre vielen Schleimstoffe legen sich wie ein Schutzfilm über die Magenschleimhaut und (für uns Seefahrer besonders wichtig): Neutralisieren überschüssige Säuren!!! (ähnlich z.B. RENNIE od. ALUCOL)
Sie fördern das Wachstum wichtiger Darmbakterien, wirken Verstopfungen entgegen und regen die Darmtätigkeit an. Zusätzlich haben Pektine und Ballaststoffe einen positiven Einfluss auf den Cholesterinspiegel, Vitamin B6, A, C und E, Phosphor, Eisen, Mangan, Kupfer und Selen steigern die Leistungsfähigkeit, die Abwehrkräfte und das Wohlbefinden. Magnesium und Kalium wirken sich fördernd auf die Herztätigkeit und den Blutdruck aus. Schliesslich sorgt das Niacin für eine geschmeidige Haut und Folsäure für die Bildung roter Blutkörperchen.
Gerade durch ihren hohen Anteil Fruchtzucker und Magnesium ein ideales Nahrungsmittel für Menschen jeden Lebensalters (für Babys ab dem 6 Monat), die infolge körperlicher Anstrengung einen erhöhen Bedarf an Magnesium haben.
Wird dieses nicht rasch nachgeliefert, kann es zu Muskelkrämpfen kommen.
Vor Jahren litt ich mal selbst unter heftigen Muskelkrämpfen (sog.“Tennisarm“), war ärztlich arbeitsunfähig geschrieben. Medikamentös behandelt brachte bei mir keinen andauernden Erfolg. Seitdem ich aber täglich mindesten eine Banane verzehre kann ich diese Leiden vergessen….nach einigen Tagen ohne Banane spüre ich aber Entzugserscheinungen…in den Gelenken, nicht nur nach meinen Freundinnen/Freunde auf den Kapverdischen Inseln im Kopf!
Lediglich Menschen mit Gallenproblemen sollten den Genuss von Bananen einschränken.

Aus meiner vieljährigen Erfahrung als Skipper von Mitsegeltörns auf vielen Weltmeeren noch wenige gutgemeinte Tipps zur Minderung von Stress und damit Anfälligkeit auf Seeleiden, die sich auch bei langzeitigen Überführungstörns bewährt haben:

-   Die ersten drei Tage an Bord spreche ich nie von Seekrankheit…eher von Landkrankheit. (Anreisestress, neue, ungewohnte Ernährung und Trinksitten, ev. Probleme von zuhause noch nicht abgebaut, u.A. m.)
-   Ein- oder zwei kurze, ruhige Angewöhnungsschläge mit ev. gerefften Segeln, sogar Motorsegeln, die das Vertrauen in das Boot, und auch in den Skipper stärken.
-   Aufenthalt besser im Cockpit anstatt im Schiffsinneren, übertriebenes Rumturnen auf und unter Deck minimieren,
-   Periodisch Rudergänger wechseln, Horizont im Auge behalten.
-   Unterhaltsame Gespräche mit der Crew lenken ab, Gesichtsfarbe und nachlassende Aktivität beobachten.

-   Mitteilen, dass aufkommende Übelkeit keine Schande sei (weil noch Landkrank), niemand dagegen gefeit sei, nicht mal Admiral Nelson war es!


Was immer hilft, wie schon seit eh und je: Vorbeugen….vorzugsweise über die Reling im Lee!!!
Die tägliche Banane wird sicher bald wirken!
   

, Fahrtenskipper für Überführungen und Mitsegeltörns auf den Kapverdischen Inseln;
www.segeln-kapverden.ch / am_sailing@hotmail.com
Monte Sossego(mercado), Sao Vicente, Cabo Verde